Der Umstieg aufs Microcap-Trading: So passt du dich an
Wie wirst du ein besserer Microcap-Trader? Wenn du unseren Blog in den letzten Wochen verfolgt hast, kennst du bereits viele Grundlagen zu Microcap-Aktien und ihrer Beziehung zum großen Aktienmarkt. Zuletzt ging es um die Vor- und Nachteile von Penny Stocks und die Dynamik hinter ihrer Volatilität. Wir haben gelernt: Volatilität ist eine zweischneidige Angelegenheit, die einen Trader nach oben tragen oder ruinieren kann.
Heute schauen wir uns zwei weitere Faktoren an, die du kennen musst, bevor du in den außerbörslichen Handel einsteigst: die typischen Handelsbedingungen und den Aufbau des heutigen OTC-Markts.
Was bedeuten wilde Kursschwünge und dünner Handel in der Praxis?
Dass Penny Stocks volatil sind, weißt du bereits. Eine Aktie, die heute für Bruchteile eines Cents gehandelt wird, kann unter den richtigen Marktbedingungen morgen bei über einem Dollar stehen, und genauso schnell wieder abstürzen. Die Volatilität zeigt sich schlagartig, der Markt lässt sich mit Auf- und Abwertungen keine Zeit.
Diese Tendenz zu blitzschnellen Wertveränderungen nennt man “wild swings”, wilde Schwünge. Sie sind eine feste Realität, die du beim Handel mit Hochrisiko-Aktien niemals aus dem Kopf verlieren darfst.
Die zweite Falle ist das Handelsvolumen selbst. Wenn du Aktien der großen NASDAQ-Konzerne handelst, findest du praktisch immer sofort einen Käufer oder Verkäufer. Bei Penny Stocks sieht das völlig anders aus: Es gibt Situationen, in denen du endlich verkaufen willst, und schlicht niemand da ist, der kaufen möchte. Und wir reden hier nicht von sechs oder zehn Stunden Wartezeit, sondern von Tagen.
Diese Illiquidität ist ein oft unterschätztes Risiko: Ein Buchgewinn nützt dir nichts, wenn du ihn nicht realisieren kannst. Wenn du das Risiko trotzdem eingehen willst, dann krempel die Ärmel hoch, aber tu es mit offenen Augen.
Welche Marktsegmente gibt es im OTC-Handel?
Nicht alle außerbörslich gehandelten Aktien sind gleich. Früher liefen viele dieser Werte über das OTC Bulletin Board (OTCBB), das 2014 eingestellt wurde. Heute organisiert die OTC Markets Group den US-Freiverkehr und sortiert die Unternehmen in drei Stufen, die sich vor allem in den Transparenzanforderungen unterscheiden. Diese Abstufung musst du kennen, denn sie ist dein wichtigster erster Filter.
OTCQX: die oberste Stufe
OTCQX ist das Top-Segment. Hier notieren Wertpapiere von Unternehmen, die nach den strengsten Standards und Verfahren des OTC-Markts geprüft werden. OTCQX-Firmen sind keine Wildwest-Buden: Sie bemühen sich um größtmögliche Transparenz gegenüber dem Anlegerpublikum. Wenn es ein Schlagwort für dieses Segment gibt, dann ist es Integrität. Penny Stocks im engeren Sinne sind hier übrigens ausgeschlossen.
OTCQB: das Venture-Segment
Die zweite Stufe ist OTCQB. Hier finden sich Unternehmen, die ihre Finanzdaten ebenfalls regelmäßig berichten, aber die Standards des OTCQX-Markts noch nicht erreichen. Sie sind ein Stück riskanter, denn abgesehen vom jährlichen “Bid-Test” gibt es weniger strenge Anforderungen.
Der Bid-Test ist simpel: Ein im OTCQB gelistetes Unternehmen muss einen Mindestkurs von 0,01 Dollar pro Aktie halten. Fällt der Kurs dauerhaft unter diesen Cent, droht der Rauswurf aus dem OTCQB-Segment.
Pink Open Market: die unterste Stufe
Die dritte Stufe ist der Pink Open Market, der Nachfolger der früheren “Pink Sheets”. Hier landen häufig Unternehmen in Restrukturierung, nach einer Insolvenz oder in finanzieller Schieflage durch Missmanagement und andere Probleme. Dieses Segment ist nur etwas für sehr risikobereite Trader, denn die Wahrscheinlichkeit, sein eingesetztes Geld zu verlieren, ist hoch. Gewinne sind möglich, aber sie sind die Ausnahme, nicht der Plan.
Wie ist der Pink Open Market weiter unterteilt?
Der Pink Open Market wird nach der Informationslage der Unternehmen in Unterkategorien eingeteilt:
- Current Information: Das Unternehmen berichtet seinen Aktionären regelmäßig über seine Finanzlage und folgt anerkannten Berichtsstandards. Das ist die noch am ehesten einschätzbare Gruppe.
- Limited Information: Über diese Unternehmen gibt es kaum verwertbare Angaben. Die verfügbaren Informationen reichen meist nicht aus, um eine vernünftige Handelsentscheidung zu treffen. Finger weg, solange du die Lücken nicht selbst schließen kannst.
- No Information: Zu diesen Unternehmen existieren schlicht keine aktuellen Daten. Von diesen Aktien solltest du grundsätzlich die Finger lassen. Wer sein Kapital schätzt, meidet die grauen und schwarzen Zonen des Pink Open Market komplett.
Die Kurzformel für Umsteiger lautet also: Je tiefer das Segment, desto dünner die Informationslage und desto höher das Risiko. Wähle deine Jagdgründe entsprechend deiner Erfahrung, und beginne im Zweifel dort, wo Transparenz herrscht.
Risikohinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Penny Stocks und Microcap-Aktien sind hochspekulativ; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.