Alles über Microcaps, Teil 1: Gefährlich oder profitabel?
Microcap-Aktien haben einen zweifelhaften Ruf: Für die einen sind sie ein Minenfeld, für die anderen die letzte Ecke des Marktes, in der Privatanleger noch echte Chancen finden. Beides stimmt ein Stück weit. In diesem ersten Teil unserer Serie klären wir, was Microcaps überhaupt sind und warum Chance und Risiko hier so eng beieinander liegen.
Was sind Microcap-Aktien?
In den USA werden börsennotierte Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung eingeteilt, also nach dem Gesamtwert aller ausstehenden Aktien. Die gängigen Kategorien reichen von Large Caps über Mid Caps und Small Caps bis hinunter zu den ganz Kleinen.
Als Microcaps gelten Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von grob 50 bis 300 Millionen US-Dollar. Liegt der Börsenwert sogar unter 50 Millionen Dollar, spricht man von Nanocaps. Zum Vergleich: Ein Konzern wie Intel bewegt sich in einer Größenordnung von hunderten Milliarden Dollar. Microcaps sind also die Zwerge des Aktienmarkts, und genau um sie geht es in dieser Serie.
Worin unterscheiden sich Microcaps von größeren Aktien?
Der entscheidende Unterschied lässt sich auf zwei Wörter herunterbrechen: Risiko und Rendite.
Große, etablierte Konzerne liefern in der Regel überschaubare, dafür vergleichsweise stetige Kursbewegungen. Wer mit Large Caps handelt, muss selten befürchten, dass sich sein Kapital durch einen plötzlichen Kurseinbruch halbiert. Solange keine ausgewachsene Börsenkrise droht, lässt sich ein Depot aus Mid Caps und Large Caps relativ entspannt verwalten.
Microcaps sind das Gegenteil. Vor einigen Jahren durchkämmten Trader das Internet nach heißen Tipps zu Microcap-Aktien, und das Umfeld war für Einsteiger ausgesprochen giftig: Skrupellose Akteure versuchten, mit gestreuten Gerüchten künstliche Kursbewegungen auszulösen und ahnungslose Anleger in die Falle zu locken. Heute ist die Lage besser, es gibt mehr seriöse Informationen und strengere Aufsicht. Verschwunden sind Manipulationsversuche aber nicht, gesunde Skepsis bleibt Pflicht.
Warum überhaupt in Microcaps investieren?
Die Antwort liegt wieder bei Risiko und Rendite. Microcap-Aktien sind nicht zwingend billiger als Aktien großer Konzerne, aber ihr Kurspotenzial ist prozentual deutlich größer. Ein kleines Unternehmen kann sich in kurzer Zeit vervielfachen, ein Weltkonzern kann das praktisch nicht.
Heißt das, du solltest alles stehen und liegen lassen und deine Ersparnisse in Microcaps stecken? Ganz klar: nein. Dem höheren Renditepotenzial steht ein ebenso deutlich höheres Verlustrisiko gegenüber, bis hin zum Totalverlust einzelner Positionen.
Aufsichtsbehörden und Marktprofis warnen seit Jahren vor der Volatilität von Microcap- und Nanocap-Aktien. Volatilität lässt sich für jede Aktie berechnen, aber pauschal gilt: Je kleiner das Unternehmen, desto größer die Schwankungsbreite. Eine hohe Schwankungsbreite bedeutet, dass der Kurs während der gesamten Haltedauer wild nach oben oder unten ausschlagen kann. Genau diese Ausschläge ermöglichen außergewöhnliche Gewinne, sie können dein Kapital aber genauso schnell dezimieren.
Warum meiden institutionelle Investoren Microcaps?
Trotz des Renditepotenzials halten sich Fonds und Großanleger auffällig zurück. Dafür gibt es drei handfeste Gründe:
- Einschätzung als Investment: Wegen der hohen Volatilität gelten Microcaps im institutionellen Umfeld als schwer kalkulierbar. Große Investoren bevorzugen teurere, aber schwankungsärmere Titel.
- Handelsvolumen: Bei vielen Microcaps wechseln nur wenige Aktien pro Tag den Besitzer. Wer große Summen bewegt, kommt in solche Werte kaum hinein und vor allem kaum wieder heraus, ohne den Kurs selbst zu bewegen.
- Aktienkurs: Viele institutionelle Anleger dürfen laut interner Richtlinien keine Aktien kaufen, die unter einem Dollar notieren.
Diese internen Vorgaben sind oft die größte Hürde, selbst wenn ein Fondsmanager in einem einzelnen Microcap großes Potenzial sieht. Auch ein monatelanger, klar erkennbarer Aufwärtstrend ändert an solchen Richtlinien in der Regel nichts.
Können Microcaps in höhere Ligen aufsteigen?
Trotz des schlechten Rufs, der Microcaps Jahr für Jahr anhaftet, wissen erfahrene Trader: Einzelne Titel entwickeln sich hervorragend. Es kommt sogar vor, dass eine Microcap-Aktie den Sprung aus dem Pink Open Market, dem untersten Segment des US-Freiverkehrs, schafft und über die Jahre in die Regionen der Mid Caps oder Large Caps aufsteigt.
Solche Aufstiege sind selten, aber nicht unmöglich. Niemand kann seriös vorhersagen, wann ein Microcap diesen Schritt macht. Und selbst wenn es passiert, solltest du damit rechnen, dass sich die typische Volatilität in den Monaten danach noch einmal deutlich bemerkbar macht.
Das Fazit dieses ersten Teils: Microcaps sind weder Teufelszeug noch Goldgrube, sondern ein Hochrisikosegment mit echten Chancen für gut informierte Anleger. Investiere nur Geld, dessen Verlust du verkraften kannst. Im zweiten Teil schauen wir uns an, was die Dotcom-Blase und der NASDAQ-Crash über dieses Marktsegment verraten.
Risikohinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Penny Stocks und Microcap-Aktien sind hochspekulativ; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.