Caveat Emptor: Deine Hausaufgaben vor dem Aktienkauf
Welche Faktoren solltest du klären, bevor du überhaupt deine erste Aktie kaufst?
Caveat emptor ist Latein und bedeutet: Der Käufer möge sich in Acht nehmen. Im Aktienhandel heißt das: Niemand außer dir selbst ist dafür verantwortlich zu prüfen, was du kaufst und ob du es dir leisten kannst. Genau um diese Vorbereitung geht es in diesem Beitrag.
In unserer Blogserie haben wir bisher vor allem Strategien rund um Microcap-Aktien behandelt, also Werte, die sich eher für kurzfristig orientierte Trader eignen. Wenn du noch nie aktiv gehandelt hast, setzt dieser Artikel eine Stufe früher an: bei den Grundlagen, die stimmen müssen, bevor du überhaupt Geld an die Börse trägst.
Denn eines steht fest: Investieren am Aktienmarkt erfordert meist einen spürbaren Kapitaleinsatz, und eine Rendite ist niemals garantiert. Jedes Investment trägt ein inhärentes Risiko, und die Welt ist voll von traurigen Geschichten über verlorene Ersparnisse. Damit deine nicht dazugehört, hier die wichtigsten Vorbereitungen.
Warum brauchst du zuerst einen Notgroschen?
Die härteste, aber wichtigste Regel: Wenn dein Geld knapp ist, handle nicht. Wenn deine Ersparnisse bereits halbiert sind oder du arbeitslos bist, handle erst recht nicht. Trading kommt erst infrage, wenn du mindestens ein halbes Jahr an Lebenshaltungskosten als Reserve auf einem separaten Konto liegen hast, und zwar nicht auf deinem Handelskonto.
Manche Anleger machen den Fehler, ihr Girokonto oder ihre kompletten Ersparnisse als Trading-Kapital zu betrachten. Das ist ein Desaster mit Ansage. Wer mit dem gesamten Vermögen handelt, gerät früher oder später in Versuchung, die Komfortzone zu verlassen und alles auf eine Karte zu setzen. Das ist nicht mutig, sondern verantwortungslos, und es endet nicht selten in ernsten finanziellen Schwierigkeiten.
Setze dir deshalb eine klare Obergrenze für dein Investment, und ignoriere, was andere tun. Ob dein Nachbar 200.000 US-Dollar in Aktien stecken hat, ist völlig unerheblich. Entscheidend ist allein, dass dein Leben auch nach einem Totalverlust deines Trading-Kapitals normal weiterläuft. Das gilt umso mehr bei volatilen Werten wie Aktien aus dem Pink Open Market und den übrigen OTC-Segmenten.
Solltest du mit Schulden traden?
Kurze Antwort: nein. Wenn du nennenswerte Schulden hast, insbesondere offene Kreditkartensalden, verschiebe dein Börsendebüt. Aktienhandel und ungetilgte Verbindlichkeiten vertragen sich nicht, schon allein weil Kreditzinsen fast immer höher sind als jede realistisch erwartbare Rendite.
Wenn sich deine Finanzen gerade erholen und du wieder sparen kannst: gut. Gib dir trotzdem noch ein paar Monate Puffer, bevor du mit dem Trading beginnst. Der Markt läuft dir nicht weg.
Wie schützt du dich vor deiner eigenen Gier?
Die Faustregel für Einsteiger lautet: nicht hastig, nicht gierig. Im Internet kursieren ständig Gerüchte und heiße Tipps. Wenn du liest, dass eine Aktie nach drei Wochen Rally angeblich “durch die Decke geht”, ist die Versuchung groß, sofort groß einzusteigen. Das Problem: Genau solche “Goldaktien” können am nächsten Tag abstürzen, und dann ist dein Geld weg.
Wenn du trotzdem größere Summen in eine einzelne Aktie stecken willst, stelle sicher, dass der Verlust dieses Geldes deine Lebensqualität nicht spürbar beeinträchtigen würde. Caveat emptor!
Der besonnenere Weg, den dir jeder erfahrene Anleger empfehlen wird: Streue dein Kapital über mehrere Aktien und Branchen. Lege dir sowohl einen kurzfristigen als auch einen langfristigen Plan zurecht. Für kurzfristige Gewinne musst du deine Trades an den Boom-und-Bust-Zyklen der Microcaps ausrichten. Wer nicht vorausplant und keine Lust hat, die Kurse volatiler Papiere zu beobachten, verliert sein Geld oft schneller, als er begreift, was passiert ist.
Warum solltest du nur in Branchen investieren, die du verstehst?
Börsennotierte Unternehmen verteilen sich auf ganz unterschiedliche Branchen, und jede Branche hat über das Jahr hinweg ihre eigenen Hochs und Tiefs. Wer eine Industrie wirklich versteht, also weiß, wie sie wächst, woran sie krankt und welche Zyklen sie durchläuft, kann dort mit deutlich besseren Erfolgsaussichten investieren als ein Außenstehender.
Das Gegenmodell ist leider verbreitet: Kaufentscheidungen danach treffen, was alle anderen gerade tun. Das ist ein gefährliches Spiel, denn du weißt nie, wann ein Problem eine ganze Branche erfasst und eine Kettenreaktion von Verlusten auslöst.
Kennst du dich in deiner Zielbranche noch nicht aus? Dann hol dir Wissen von Menschen, die sie verstehen, oder noch besser: Arbeite dich selbst gründlich ein, bevor du auch nur einen Dollar investierst. Diese Hausaufgaben nimmt dir niemand ab. Caveat emptor eben.
Risikohinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Penny Stocks und Microcap-Aktien sind hochspekulativ; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.