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Risiko & Anlegerschutz

Trading-Risiken entzaubert, Teil 2: Zinsen und ihre Folgen

Mit welchen weiteren Risiken müssen Trader und langfristige Anleger rechnen?

Im ersten Teil dieser Serie ging es um die finanziellen Risiken börsennotierter Unternehmen. Keine Firma ist immun gegen Missmanagement, ausbleibendes Wachstum oder eine schwache Marktresonanz. Als Anleger solltest du deshalb schnell reagieren können, wenn sich bei einer deiner Positionen Probleme abzeichnen. Außerdem haben wir besprochen, welche Rolle Medien dabei spielen, Anleger über Spekulation und “Aktientipps” zu überzogenen Investments zu verleiten.

Sind Aktientipps gefährlich?

Bis zu einem gewissen Grad: ja. Es spricht nichts dagegen, sich über den Aktienmarkt und aussichtsreiche Titel zu informieren. Gefährlich wird es, wenn du überproportional viel Geld in eine Aktie steckst, nur weil angeblich alle davon überzeugt sind, dass sie sich in einem “unaufhaltsamen Höhenflug” befindet und du damit reich wirst.

Vergiss nie: Der Aktienmarkt unterliegt zyklischen wirtschaftlichen Kräften, und nichts ist jemals sicher. Der einzige Schutz für deine kurzfristigen Trades und deine langfristigen Anlagen besteht darin, die Risiken zu kennen und bewusst mit ihnen umzugehen. Genau darum geht es in dieser Serie: dein Wissen über die Fallstricke des Handels zu erweitern, damit du fundiertere Entscheidungen treffen kannst.

Ein großes Risiko, das viele Anleger unterschätzen, sind Schwankungen der Zinssätze.

Wie wirken sich Zinsänderungen auf deine Geldanlage aus?

Wenn du Wertpapiere und Anleihen als langfristige, risikoarme Anlage kaufst, solltest du zwei Dinge im Blick behalten: die Konditionen des Instituts, über das du deine Papiere hältst, und vor allem die Leitzinsen der US-Notenbank Federal Reserve.

Vielen ist nicht bewusst, dass gerade langfristige Anlagen von plötzlichen Zinsänderungen hart getroffen werden können. Manche ignorieren solche Meldungen und denken, ein oder zwei Prozentpunkte hin oder her hätten keinen bleibenden Einfluss auf ihr Vermögen. Wer aber nicht auf schnelle Trading-Gewinne setzt, sondern von den Erträgen langfristiger Zinspapiere lebt, für den sind die Zinssätze das Lebenselixier der Geldanlage.

Ein vereinfachtes Beispiel: Du hast Anleihen im Wert von 15.000 US-Dollar mit sechs Prozent Verzinsung gekauft. Steigt das Zinsniveau anschließend auf neun Prozent, entgehen dir fortlaufend drei Prozentpunkte Ertrag. Denn jeder, der nach der Zinserhöhung vergleichbare Anleihen kauft, sichert sich die neuen neun Prozent, während du auf deinen alten sechs Prozent sitzt.

Der naheliegende Gedanke: die alten Papiere zu einem akzeptablen Preis verkaufen und das Geld neu anlegen, um vom höheren Zins zu profitieren. Im Prinzip ein Wiederholungsspiel: Steigen die Zinsen erneut, müsstest du wieder umschichten, um den Anschluss zu halten.

Wo liegt der Haken bei diesem Zinsspiel?

Es klingt simpel, aber es steckt mehr dahinter, als es auf den ersten Blick scheint.

Nehmen wir Trader A, der seine Anleihen von Unternehmen B verkaufen will, weil die Zinsen gestiegen sind. Seine Papiere hat er für 9.000 US-Dollar gekauft, sie bringen sieben Prozent pro Jahr. Der aktuelle Marktzins liegt bei zehn Prozent.

Das Problem: Steigen die Zinsen, verlieren alle vorher ausgegebenen Anleihen an Handelswert. Niemand kauft “alte” Anleihen zum ursprünglichen Preis, wenn neue Papiere mehr Zinsen abwerfen. Trader A muss also einen Kursabschlag hinnehmen, um überhaupt einen Käufer zu finden. Andere Anleger greifen nur zu, wenn der Preis so weit sinkt, dass ihre Rendite rechnerisch dem aktuellen Zinsniveau von zehn Prozent entspricht, nicht den alten sieben Prozent.

Genau dieser Mechanismus, das sogenannte Zinsänderungsrisiko, trifft jeden, der festverzinsliche Papiere vor Laufzeitende verkaufen will oder muss. Und indirekt wirkt er auch auf Aktien: Steigende Zinsen machen Anleihen attraktiver, verteuern Unternehmenskredite und drücken damit häufig die Aktienkurse, besonders bei hoch verschuldeten oder unprofitablen Firmen.

Was ist die wichtigste Lehre daraus?

Die zentrale Lektion aus alldem: Investiere niemals Geld am Kapitalmarkt, dessen Verlust du nicht verkraften kannst, weder kleine noch große Summen.

Verluste gehören zum Handeln dazu, so unbequem das klingt. Der Spruch “mal gewinnt man, mal verliert man” trifft nirgendwo so zuverlässig zu wie an der Börse. Bevor du also auch nur einen Dollar anlegst, sorge für ausreichende Reserven außerhalb deines Depots und stelle dich mental auf unvorhersehbare Rückschläge ein. Wer mit realistischen Erwartungen startet, trifft in turbulenten Phasen die besseren Entscheidungen.

Risikohinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Penny Stocks und Microcap-Aktien sind hochspekulativ; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.