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Risiko & Anlegerschutz

Trading-Risiken entzaubert, Teil 1: Finanzielle Schieflagen

Welche Risiken gehst du eigentlich ein, wenn du Aktien handelst?

Ein altes Sprichwort sagt: Alles, was Wert hat, trägt seine eigenen Risiken. Das gilt auch für den Aktienhandel. Unter Trading-Risiko versteht man die Gefahr, dass dein eingesetztes Kapital an Wert verliert, sei es durch Probleme des Unternehmens, durch Marktmechanismen oder durch dein eigenes Verhalten. Wer sich mit dem Handel von Aktien einen zusätzlichen Einkommensstrom aufbauen will, sollte diese Risiken kennen, bevor er den ersten Dollar investiert.

Warum kann jedes börsennotierte Unternehmen in Schieflage geraten?

Machen wir uns nichts vor: Jedes börsennotierte Unternehmen kann irgendwann Geld verlieren. Selbst Konzerne, die seit über 100 Jahren existieren, sind nicht unsterblich. Niemand weiß im Voraus, wann ein Unternehmen einen schweren finanziellen Schlag erleidet. Rezession, Inflation, Arbeitskämpfe: All diese Faktoren entscheiden mit über Lebensdauer und Robustheit einer Aktiengesellschaft.

Ein lehrreiches Beispiel aus der Dotcom-Ära ist die Gesundheitswebsite drkoop.com. Sie stieg Ende der Neunzigerjahre auf der Welle des Internetbooms auf und scheiterte so spektakulär, dass man sich bis heute wundert, wie der Gründer mehr als drei Finanzierungsrunden mit Wagniskapital einsammeln konnte.

Die Kurzfassung: drkoop.com verbrannte Runde um Runde frisches Kapital. Als die Reserven zur Neige gingen, ging das Unternehmen an die Börse, um den Kollaps abzuwenden. Man sollte meinen, dass eine Firma mit einem Umsatz von gerade einmal gut 40.000 US-Dollar kein attraktives Investment ist. Weit gefehlt: Die Anleger rissen sich um die Aktien, und ehe die Trader reagieren konnten, stürzte das Papier von rund 20 US-Dollar auf unter 3 US-Dollar ab.

Zwar gelang noch eine letzte externe Finanzierungsrunde, doch sie verzögerte nur, was vom ersten Tag an absehbar war. Als auch dieses Geld aufgebraucht war, wurde die Website geschlossen, die Mitarbeiter verloren ihre Jobs, und die Aktie flog von der Nasdaq. Der Gründer, der frühere US-Gesundheitsbeauftragte Dr. C. Everett Koop, widmete sich fortan wieder seiner Gesundheitsarbeit, weit weg von der Dotcom-Welt, die er erobern wollte.

Die Lektion ist einfach: Wenn ein börsennotiertes Unternehmen im Verhältnis zu seinen Verbindlichkeiten und seiner externen Finanzierung praktisch keine eigene Geschäftsentwicklung vorweisen kann, solltest du die Finger von seinen Aktien lassen. Alles andere setzt dein hart verdientes Geld einem enormen Verlustrisiko aus.

Wie gefährlich ist der Herdentrieb für dein Depot?

Eine der größten Gefahren für Einsteiger ist die Informationsflut rund um den Aktienmarkt. Zu jedem Zeitpunkt erscheinen unzählige Pressemitteilungen, Artikel und Analysen. Spekulation ist für viele Finanzmedien das tägliche Geschäft, und manche Autoren können mit ihren Kursprognosen sehr überzeugend klingen.

Reine Spekulation versteckt sich dabei gern hinter einem harmlos wirkenden “Aktientipp”. Das wird gefährlich, wenn ein Trader zwar viel Kapital, aber null Ahnung von Trends, Chartformationen oder auch nur dem Lesen von Kursdaten hat.

Wenn Gerüchte über eine bevorstehende Rally eine Masse von Anlegern dazu bringen, ohne jede eigene Recherche massenhaft Aktien zu kaufen, genau wie damals bei drkoop.com, dann hat der Herdentrieb den gesunden Verstand besiegt.

Dahinter steckt oft die Angst, etwas zu verpassen. Denn seien wir ehrlich: Schnelles Geld ist an der Börse schwer zu verdienen. Viele private Daytrader halten nur wenige Jahre durch, weil die Erträge im Verhältnis zu Gebühren und Aufwand schlicht zu klein sind. Genau diese Angst, eine gute Rally zu verpassen, erzeugt die absurden Kursspitzen, die man immer wieder bei einzelnen Aktien beobachtet.

Wie schützt du dich vor Panikkäufen?

Sei besonders wachsam, wenn um dich herum alle panisch dieselbe Aktie kaufen. Wenn die gesamte Masse in eine Richtung rennt, steckt dahinter oft nichts als ein unbelegter oder schlecht recherchierter “Geheimtipp”. In solchen Momenten ist bewusstes Weghören die beste Strategie.

Deine besten Freunde beim Kauf von Aktien unbekannter Unternehmen sind Recherche und belastbare Daten: Geschäftsberichte, Umsätze, Verschuldung, Geschäftsmodell. Und eine Grundregel solltest du dir einprägen: Je volatiler eine Aktie, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass du dein Investment kurzfristig verlierst.

Im zweiten Teil dieser Serie geht es um ein Risiko, das viele Anleger komplett unterschätzen, obwohl es ihre langfristigen Anlagen direkt trifft: Zinsänderungen und ihre Folgen.

Risikohinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Penny Stocks und Microcap-Aktien sind hochspekulativ; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.