Trading-Channels verstehen: Kurskanäle richtig nutzen
Im Artikel über Trends haben wir die drei großen Trendrichtungen behandelt (bullisch, bärisch und seitwärts) sowie die Zeiträume, in denen man sie untersucht (kurzfristig, mittelfristig und auf Jahressicht). Dabei wurde klar: Je länger der Beobachtungszeitraum, desto mehr eigenständige Mini-Trends entdeckst du innerhalb des übergeordneten Trends. Als Trader solltest du beides im Blick haben, den Gesamttrend und die kleineren Bewegungen darin.
In diesem Artikel geht es um das Werkzeug, das diesen Bewegungen Struktur gibt: Trading-Channels, also Kurskanäle. Ein Trading-Channel entsteht, wenn du die Hochs und Tiefs eines Kursverlaufs mit Linien verbindest und so den Korridor sichtbar machst, in dem sich eine Aktie bewegt. Er besteht aus Trendlinien sowie den Marken für Unterstützung und Widerstand.
Was ist eine Trendlinie?
Eine Trendlinie ist eine visuelle Hilfslinie, mit der Trader rohe Kursdaten lesbarer machen. Richtig eingezeichnete Trendlinien zeigen dir auf einen Blick die Hochpunkte eines Trends sowie die tiefsten Positionen jedes Abschnitts.
Darüber hinaus helfen Trendlinien Tradern und technischen Analysten zu erkennen, ob der aktuelle Trend zu Ende geht. Zeigt ein Trend Anzeichen einer Veränderung, sind mehrere Szenarien möglich:
- Der Trend geht in einen völlig anderen Trend über.
- Der Trend zeigt kurzzeitig Anzeichen eines Ausbruchs, kehrt dann aber zu den alten Bewegungen, Hochs und Tiefs zurück.
- Der Trend setzt sich einfach fort, und die abweichende Bewegung wird vom größeren Trend geschluckt.
- Der Trend dreht komplett, nach oben oder nach unten. Eine bullische Aktie, die drei Monate lang Gewinne verzeichnet hat, kann etwa durch eine Insolvenznachricht abrupt in einen bärischen Trend kippen.
Wichtig zur Einordnung: Trendlinien beschreiben die Vergangenheit. Sie machen Wahrscheinlichkeiten sichtbar, liefern aber keine sichere Prognose.
Was bedeuten Unterstützung und Widerstand?
Widerstand und Unterstützung (im Englischen “resistance” und “support”) sind die zentralen Kanalmarken, die jeder Trader kennen sollte.
Der Widerstand ist die unsichtbare Kursdecke, an der sich eine Aktie immer wieder die Zähne ausbeißt. Wenn du eine Trendlinie liest, siehst du, wie die Volatilität am Kurs zerrt: Auf schwache Schlusskurse in einem Abschnitt folgen oft plötzliche Anstiege und danach erneut tiefere Notierungen. Dieses Auf und Ab zeigt, wie sehr eine Aktie darum kämpft, ihr aktuelles Niveau zu überwinden.
Die Unterstützung ist das Gegenstück: die untere Preismarke, die zu jeder Aufwärtsbewegung gehört. Rutscht die Unterstützung immer weiter ab oder deuten die aufeinanderfolgenden Punkte im Chart klar nach unten, kann das bedeuten, dass die Aktie in einen bärischen Trend übergeht, falls sie nicht längst mittendrin steckt.
Interessanterweise rechnen Analysten bei gedrückten Kursen häufig mit einer Kurserholung. Der Grund liegt in der zyklischen Natur der Börse: Was steigt, kommt irgendwann zurück. Und was fällt, kann bei der richtigen Mischung aus Marktbedingungen wieder steigen und sogar alte Höchststände übertreffen. Verlassen solltest du dich darauf allerdings nie: Nicht jede gefallene Aktie erholt sich, manche verschwinden ganz vom Kurszettel.
Welche Chartmuster solltest du kennen?
Wenn du beim Chartlesen langsam sicherer wirst, fragst du dich vielleicht: Gibt es wiederkehrende Muster, auf die man achten sollte? Die Antwort lautet ja. Hier sind drei der wichtigsten:
Kopf-Schulter-Formation
Die Kopf-Schulter-Formation kündigt häufig eine bärische Bewegung an. Die erste “Schulter” ist der Anstieg der Aktie in der ersten Hälfte des Musters, gefolgt vom “Kopf”, dem höchsten Kursniveau der Formation. In dieser Kopfregion kann der Kurs einige Wochen seitwärts laufen, bevor die Unterstützung bricht und der Abwärtstrend einsetzt. Die zweite, niedrigere Schulter bestätigt das Muster.
Umgekehrte Kopf-Schulter-Formation
Dieses Muster sieht aus wie ein krakeliges “V” oder eine Mulde im Boden. Während die klassische Kopf-Schulter-Formation bärische Bedingungen signalisiert, zeigt die umgekehrte Variante: Die Schwächephase hielt eine Weile an, bevor der Kurs am Tiefpunkt drehte, den Widerstand durchbrach und einen neuen Aufwärtstrend etablierte.
Cup with Handle (Tasse mit Henkel)
Die Tassenformation, im Deutschen oft als bullische Untertasse bezeichnet, zeigt an, dass der Markt den Kurs über längere Zeit gedrückt hat und dabei eine Mulde entstand, ähnlich der umgekehrten Kopf-Schulter-Formation. Oft mischt sich in die Schwächephase eine Seitwärtsbewegung. Irgendwann bricht der Kurs kurz über den Widerstand aus, setzt noch einmal zurück (das ist der “Henkel”) und erholt sich anschließend mit einem erneuten, nachhaltigeren Ausbruch. Im Chart erinnert das Gesamtbild an eine Tasse mit kleinem Henkel.
Wie setzt du Kurskanäle im Alltag ein?
Nutze Trendlinien, um Ordnung in den Kursverlauf zu bringen, und beobachte Unterstützung und Widerstand als Orientierungsmarken für Ein- und Ausstiege. Chartmuster liefern zusätzliche Hinweise, aber keine Garantien: Jedes Muster kann scheitern. Kombiniere die technische Sicht deshalb immer mit fundamentalen Informationen über das Unternehmen, und arbeite konsequent mit Verlustbegrenzung. So werden Trading-Channels zu dem, was sie sein sollten: ein Werkzeug für bessere Entscheidungen, kein Ersatz für gesunden Menschenverstand.
Risikohinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Penny Stocks und Microcap-Aktien sind hochspekulativ; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.