Microcap-Taktiken, Teil 2: Sinkende Schiffe rechtzeitig erkennen
Was solltest du tun, nachdem du eine Microcap-Aktie erfolgreich und mit Gewinn verkauft hast?
In den letzten beiden Beiträgen ging es um die Feinheiten beim Kauf und Verkauf von Microcap-Aktien. Die Kernerkenntnis: Als Trader stehst du im Grunde den Market Makern und den Kauf- und Verkaufsorders der anderen Marktteilnehmer gegenüber. Aus diesem Zusammenspiel ergibt sich, ob ein Handelstag profitabel wird oder nicht. Heute schauen wir uns an, welche Schritte nach einem gelungenen (oder auch weniger gelungenen) Verkauf sinnvoll sind.
Welcher Zielpreis ist nach einem erfolgreichen Verkauf realistisch?
Die Märkte folgen Zyklen und Trends. Was steigt, kommt irgendwann auch wieder herunter, und bei Microcap-Aktien gilt das in verschärfter Form.
Hast du deine Aktien mit gutem Gewinn verkauft und planst einen Wiedereinstieg, sollte dein Ziel sein, dieselben Aktien zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen, mindestens aber unter dem Kurs, den die Market Maker für den jeweiligen Handelstag gestellt haben.
Wenn du genug Zeit hast, den Kursticker deines Handelsplatzes laufend zu beobachten, kannst du theoretisch mit einer unlimitierten Order arbeiten und zuschlagen, sobald der Kurs günstig ist. Das ist allerdings heikel: Market Maker können den Kurs anpassen, sobald eine für sie interessante unlimitierte Kauf- oder Verkaufsorder eingeht. Wie schnell das geht, zeigt ein Blick auf die Schwankungen, die eine Aktie im Pink Open Market an einem einzigen Handelstag durchlaufen kann.
Kannst oder willst du den Markt nicht ständig beobachten, ist eine unlimitierte Order für dich keine gute Wahl. Die bessere Alternative: Setze eine Limit-Kauforder zu deinem Wunschpreis und warte ab, ob die Market Maker darauf eingehen. Rechne damit, dass die Ausführung dauert. Gerade beim Wiedereinstieg lassen sich die Market Maker gern Zeit, um selbst noch mehr aus dem Handel herauszuholen.
Was bedeutet es, wenn der Spread plötzlich größer wird?
Die häufigste Reaktion auf einen sich weitenden Spread: Trader bekommen Angst und steigen aus, bevor sie noch mehr Geld verlieren.
Ein Beispiel: Die Aktie von Unternehmen X schwankt im Tagesverlauf um 30 Prozent, und Geldkurs (Bid) und Briefkurs (Ask) klaffen weit auseinander. Viele Anleger verkaufen in so einer Situation reflexartig, aus Sorge vor weiteren Verlusten.
Dieser natürliche Instinkt, Risiko und Verlust zu begrenzen, kann dir allerdings in die Quere kommen, besonders wenn die Aktie ohnehin kaum gehandelt wird. Vergiss nicht: Du handelst Microcaps. Ein solcher Wert kann an einem ruhigen Tag praktisch ohne einen einzigen Trade auskommen. Ein breiter Spread bedeutet dann nicht zwingend Gefahr, sondern oft nur, dass gerade schlicht niemand handelt.
Wie verdienen erfahrene Microcap-Trader mehr als der Durchschnitt?
Die Vorgehensweise erfahrener Trader widerspricht so ziemlich allem, was in Ratgebern und auf Finanzseiten steht. Man könnte sie den “Mythos vom Untergang” nennen: Profis kaufen gezielt Aktien, die gerade absacken wie ein Stein.
Richtig gelesen. Während alle anderen aus Angst vor weiteren Verlusten verkaufen, sammeln die Veteranen in aller Ruhe die Aktien ein, die der Rest des Marktes bereits abgeschrieben hat.
Diese Technik ist nichts für schwache Nerven, und sie ist ausdrücklich riskant: Wenn du nicht sorgfältig prüfst, kannst du dein eingesetztes Kapital verlieren. Es gibt keine Garantie, dass sich ein gefallener Kurs jemals erholt. Wer aber auf Basis solider Daten davon überzeugt ist, dass der Abwärtszyklus endet, hält am Ende viele Anteile, die andere panisch abgestoßen haben, und zwar zu Tiefstpreisen.
Woran erkennst du, ob ein fallender Wert noch Substanz hat?
Ein sinkender Kurs bedeutet nicht automatisch, dass ein Unternehmen pleite ist. Genau deshalb musst du vor jedem antizyklischen Kauf die Zahlen prüfen: Erwirtschaftet die Firma noch Gewinn? Als grober Anhaltspunkt gilt im Microcap-Bereich ein Jahresgewinn von mindestens einer Million US-Dollar. Und liegt das Unternehmen operativ noch nicht auf dem Rücken, sprich: Sind Umsätze, Liquidität und Geschäftsmodell intakt?
Manche Aktien sind zudem künstlich unterbewertet, weil Market Maker die Kurse gedrückt haben. Das passiert nicht oft, aber es passiert. Hältst du Aktien, die lediglich unterbewertet sind und nicht fundamental angeschlagen, stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass du beim Verkauf einen Gewinn erzielst.
Die Grenze zwischen Schnäppchen und sinkendem Schiff verläuft also nicht im Chart, sondern in den Fundamentaldaten. Wer nur auf den Kurs schaut, kauft irgendwann ein Schiff, das wirklich untergeht.
Risikohinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Penny Stocks und Microcap-Aktien sind hochspekulativ; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.