Microcap-Trading-Basics, Teil 1: Geld- und Briefkurs verstehen
Was musst du wissen, damit der Handel mit Microcap-Aktien nicht zum teuren Lehrgeld wird?
Zunächst die Begriffe, um die sich in diesem Artikel alles dreht: Der Geldkurs (englisch “Bid”) ist der Preis, den Käufer im Markt zu zahlen bereit sind. Der Briefkurs (englisch “Ask”) ist der Preis, zu dem Verkäufer, meist die Market Maker, ihre Aktien anbieten. Die Differenz zwischen beiden heißt Spread, und genau an diesem Spread verdienen die Market Maker ihr Geld. Bei Microcaps ist der Spread oft deutlich größer als bei Standardwerten, und das hat Folgen für jede einzelne Order, die du platzierst.
Aktien aus dem OTC-Handel, also von der OTC Markets Group mit ihren Segmenten OTCQX, OTCQB und Pink Open Market, sind zwar deutlich billiger zu haben als Titel an der NYSE oder der Nasdaq. Wer aber nicht weiß, wie man sie strategisch handelt, verliert sein mühsam verdientes Geld schneller, als ihm lieb ist.
Niemand ist beim Microcap-Trading vor Verlusten gefeit. Genau deshalb raten viele erfahrene Profis Einsteigern schlicht davon ab. Wenn du nicht bereit bist, den Markt zu analysieren und deine Positionen aktiv zu beobachten, ist dieses Marktsegment nichts für dich. Für alle anderen folgen hier die wichtigsten Grundregeln.
Warum sind Market Orders bei Microcaps riskant?
Market Orders, also unlimitierte Kauf- oder Verkaufsaufträge, funktionieren bei liquiden Nasdaq-Werten schnell und reibungslos. Diese Effizienz verleitet viele Trader zu der Annahme, dass es im OTC-Handel genauso läuft. Ein Irrtum.
Natürlich werden Market Orders auch bei OTC-Aktien ausgeführt. Nur eben nicht unbedingt zeitnah. Es kann vorkommen, dass ein Kauf- oder Verkaufsauftrag mehrere Tage braucht, bis er vollständig abgewickelt ist. Für Daytrader, die die Geschwindigkeit der großen Börsen gewohnt sind, ist das frustrierend. Ändern lässt es sich nicht: Market Maker wollen ebenfalls Gewinne erzielen und lassen sich Zeit, wenn es ihnen nützt.
Noch heikler: Eine unlimitierte Kauforder ist im Grunde eine Einladung zu höheren Kursen. Wer eine Market Order platziert, signalisiert dem Markt, dass er die Aktie unabhängig vom Preis kaufen wird. Bei einem illiquiden Microcap kann dich das teuer zu stehen kommen.
Wie schützt dich eine Limit-Kauforder?
Die Limit-Kauforder ist deine erste Verteidigungslinie gegen Market Maker, die aus jedem Trade den letzten Cent herausholen wollen. Zwar gibt es auch im OTC-Handel gewisse Schutzmechanismen für Privatanleger, doch die bewahren dich nicht vor den üblichen “Tricks des Gewerbes”.
Ein Beispiel: Du platzierst eine Limit-Kauforder für die Aktie von Unternehmen A bei 1,15 US-Dollar. Die Market Maker können darauf reagieren, indem sie den Briefkurs anheben und die Ausführung deiner Order verzögern. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Erhöhe dein Limit, damit wir mehr verdienen.
Interessanterweise reagieren viele Anleger auf einen plötzlich steigenden Kurs sogar positiv. Ein sprunghafter Anstieg wird gern als Zeichen gedeutet, dass ein Kursaufschwung im Gange ist, etwa weil ein Wechsel an eine reguläre Börse bevorstehen könnte und das Interesse an der Aktie zunimmt. Manchmal stimmt das. Sehr oft ist es aber nur das Spiel der Market Maker mit Angebot und Nachfrage.
Warum solltest du bei deiner Order bleiben?
Als Trader wirst du mit den unterschiedlichsten Marktbedingungen und Strategien der Market Maker konfrontiert. Jede Kauforder sollte eine informierte Entscheidung sein, denn du handelst, um Gewinne zu erzielen, nicht um Geld zu verbrennen.
Die erste Regel lautet deshalb: Bleib bei deiner gut überlegten Entscheidung. Die Market Maker richten ihr Verhalten größtenteils danach aus, was die Trader tun. Wenn du eine Limit-Kauforder platzierst, ist ein Wert zwischen dem aktuellen Geldkurs und dem Briefkurs meist eine vernünftige Ausgangsposition.
Steht dein Limit, dann lass den Markt arbeiten. Fall nicht auf kurzfristige Anstiege des Briefkurses herein, die angeblich eine profitable Rally ankündigen. In der überwältigenden Mehrheit der Fälle steckt hinter solchen Bewegungen nichts, was deinem Trade helfen würde.
Ja, es kann dauern, bis die Market Maker deine Order ausführen. Aber Geduld ist beim Microcap-Trading keine Tugend, sondern schlicht Voraussetzung. Wer sich nicht unter Druck setzen lässt, kauft am Ende häufig zum besseren Preis.
Ein ehrlicher Hinweis zum Schluss: Auch die beste Ordertechnik macht aus einer schlechten Aktie kein gutes Investment. Limit-Orders schützen dich vor überteuerten Einstiegen, nicht vor Unternehmen, die scheitern. Setze deshalb nur Geld ein, dessen Verlust du verkraften kannst, und betrachte diese Regeln als Handwerkszeug, nicht als Gewinngarantie. Im zweiten Teil dieser Serie schauen wir uns an, wann es sich lohnt, die Preise der Market Maker gezielt herauszufordern.
Risikohinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Penny Stocks und Microcap-Aktien sind hochspekulativ; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.