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Trading-Praxis

Microcap-Trading-Basics, Teil 2: Market Maker verstehen und austricksen

Wie schaffst du es, beim Microcap-Trading dauerhaft vernünftige Einstiegskurse zu bekommen?

Zur Einordnung: Ein Market Maker ist ein Handelshaus, das für eine Aktie fortlaufend Geldkurse (Bid) und Briefkurse (Ask) stellt und damit überhaupt erst dafür sorgt, dass gehandelt werden kann. Seinen Gewinn erzielt er über den Spread, also die Differenz zwischen beiden Kursen. Ohne Market Maker gäbe es den Handel an der OTC Markets Group, etwa im Pink Open Market, in dieser Form gar nicht.

Im ersten Teil dieser Serie ging es darum, wie wichtig es ist, bei einer einmal gesetzten Limit-Kauforder zu bleiben und plötzliche Kurssprünge nüchtern zu betrachten. Wir haben auch gesehen, dass ein steigender Kurs manchmal nur bedeutet, dass die Market Maker versuchen, mehr Gewinn für sich herauszuholen.

Kannst du die Preise der Market Maker herausfordern?

Die ehrliche Antwort: Es kommt auf die Marktlage an.

Wird die Aktie, die du kaufen willst, nur dünn gehandelt und gibt es kaum Volumen und Bewegung, stehen die Chancen gut, dass die Market Maker deiner Limit-Kauforder relativ schnell entgegenkommen. Eine sofortige Ausführung wie bei liquiden Nasdaq-Werten solltest du trotzdem nicht erwarten. Aber wenn sich außer dir kaum jemand für den Titel interessiert, passen sich die Market Maker mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit deinem Zielpreis an.

Umgekehrt gilt: Ist das Handelsvolumen im Laufe des Tages deutlich gestiegen, wird das Gegenhalten schwierig. Die Market Maker analysieren dann die Geld- und Briefkurse der Mehrheit und legen den Spread so, dass ihr Gesamtgewinn maximiert wird. Gegen diesen Strom zu schwimmen kostet dich in der Regel nur Zeit und Geld.

Wie gehst du vor, wenn du eine aussichtsreiche Aktie kaufen willst?

Wenn du von einer Microcap-Aktie überzeugt bist, etwa weil du nach gründlicher Analyse einen Kursanstieg für plausibel hältst, solltest du vor der ersten Order festlegen, wie viel Geld du maximal investieren willst. Bewährt hat sich ein einfaches Modell mit drei Preismarken: unten, Mitte, oben.

Deine untere Marke ist der Preis, zu dem du am liebsten einsteigen würdest. Die mittlere Marke ist deine erste Anpassung, falls die Market Maker gegen deine Limit-Order arbeiten. Sie liegt über deiner unteren Marke, aber bewusst noch unter dem Briefkurs des Market Makers. Die obere Marke ist dein absolutes Schlusswort: der höchste Preis, den du für die Aktie zu zahlen bereit bist. Sie kann dem Briefkurs entsprechen oder knapp darunter liegen.

Der Grundsatz dabei: Gib dem Preis des Market Makers so lange wie möglich nicht nach.

Warum führen Market Maker auch niedrigere Orders aus?

Market Makers kalkulieren ihre Spreads so, dass sie beim Stellen von Kursen kein Geld verlieren. Die einfachste Faustregel für ihr Verhalten lautet: Ein Market Maker führt keine Order bewusst aus, die ihm Verluste bringt. Wie du will er am Ende des Tages im Plus stehen.

Das bedeutet aber auch: Selbst wenn der Market Maker offiziell einen höheren Briefkurs verlangt, wird er deine Order häufig trotzdem ausführen, solange sie in seinen durchschnittlich kalkulierten Spread passt. Genau diese Lücke kannst du mit geduldigen, gestaffelten Limit-Orders nutzen.

Natürlich gibt es Situationen, in denen du eine Aktie unbedingt haben willst. Dann darfst du dein Limit ruhig mehrfach anpassen und deinen Geldkurs in kleinen Schritten erhöhen, bis die Order ausgeführt wird. Was du nicht tun solltest: den Briefkurs sofort akzeptieren, nur weil du ungeduldig bist. Versuch immer, unter dem geforderten Preis zum Zug zu kommen.

Was hat Gier mit alldem zu tun?

Die meisten Fehler passieren, wenn Trader gierig werden. Gier hat im Daytrading nichts verloren, denn ein gieriger Trader trifft hastige Entscheidungen, ohne den übergeordneten Trend zu prüfen, der die Kurse tatsächlich bewegt.

Wenn du also den Drang verspürst, unbedingt zuschlagen zu müssen, weil die Emotionen hochkochen, tritt einen Schritt vom Bildschirm zurück und stell dir zwei Fragen: Was ist mein eigentliches Ziel bei diesem Trade? Und welche Daten habe ich geprüft, die meine Erwartung stützen?

Kannst du diese Fragen nicht sauber beantworten, ist das ein klares Signal: Lass den Trade heute sein. Die Aktie läuft dir nicht weg, und wenn doch, war es mit hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin kein Setup, das auf Fakten beruhte. Beim Microcap-Trading verlierst du nicht an den Market Makern, sondern an deiner eigenen Ungeduld. Wer das verinnerlicht, hat den wichtigsten Schritt bereits gemacht.

Risikohinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Penny Stocks und Microcap-Aktien sind hochspekulativ; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.