Microcap-Taktiken, Teil 1: Aktien richtig verkaufen
Welche Grundstrategien brauchst du, um Microcap-Aktien nicht nur zu kaufen, sondern auch klug wieder zu verkaufen?
Wenn du die bisherigen Beiträge dieser Reihe gelesen hast, weißt du bereits, was dich beim Handel mit Microcaps erwartet. Ob im Pink Open Market oder in den Segmenten OTCQB und OTCQX der OTC Markets Group: Das Erlebnis unterscheidet sich deutlich vom Daytrading an den großen Börsen. In diesem Beitrag geht es um die Verkaufsseite, denn dort lauern mindestens so viele Fallstricke wie beim Kauf. Wir versprechen keine Gewinne, aber wir teilen, was sich in der Praxis bewährt hat.
Warum ist Verkaufen genauso riskant wie Kaufen?
Einer der größten Fehler, den du als Microcap-Trader machen kannst, ist eine unlimitierte Verkaufsorder, also ein Verkaufsauftrag ohne Preisuntergrenze.
Sobald eine solche Order bei den Market Makern eintrifft, können sie den Kurs der Aktie anpassen, bevor der Verkauf tatsächlich ausgeführt wird. Das Ergebnis: Du realisierst beim Verkauf sofort Verluste, die vermeidbar gewesen wären.
Das Problem bleibt dabei nicht auf dich beschränkt. Gerät der Geldkurs (Bid), also der Preis, den Käufer zu zahlen bereit sind, ins Rutschen, trifft das auch alle anderen Anleger, die dieselbe Aktie halten.
Ein Beispiel: Du glaubst, eine Aktie sei nach einer längeren Aufwärtsbewegung profitabel genug, und platzierst eine unlimitierte Verkaufsorder. Die Market Maker können die Kurse nun so steuern, dass sie deine Aktien zu einem Preis einsammeln, der für sie attraktiv ist, nicht für dich.
Wie kann ein einziger Trade eine Kettenreaktion auslösen?
Der Mechanismus funktioniert so: Drückt ein Market Maker den Geldkurs, um eine unlimitierte Verkaufsorder günstig zu bedienen, werden dadurch die Stop-Loss-Orders anderer Trader ausgelöst. Deren Aktien kommen zusätzlich auf den Markt, das verfügbare Angebot steigt sprunghaft an.
Und wenn das Angebot steigt, passiert das, was das Gesetz von Angebot und Nachfrage vorgibt: Der Kurs sackt ab. Selbst wenn dieser Effekt nur ein, zwei Tage anhält, reicht er aus, um weitere Stop-Loss-Orders zu triggern und die Abwärtsspirale zu verlängern. Eine Aktie kann so an einem einzigen Tag von 1,20 US-Dollar auf 0,40 US-Dollar fallen, wenn genügend Stop-Loss-Orders ausgelöst werden.
Wer bisher nur Standardwerte an NYSE oder Nasdaq gehandelt hat, denkt jetzt vielleicht: Das kann doch nicht sein. Doch, kann es. Du handelst hier keine Blue Chips, sondern Microcaps. Dieser Markt ist viel kleiner und deutlich volatiler als die Nasdaq. Genau deshalb machen viele Trading-Veteranen einen Bogen um Microcap-Aktien: Die Volatilität kann nach einer einzigen unlimitierten Verkaufsorder völlig aus dem Ruder laufen.
Da Microcaps meist dünn gehandelt werden, liegen Stückzahlen und Dollar-Volumen weit unter dem, was an den großen Börsen üblich ist. Je weniger Trades stattfinden, desto schneller und härter schlagen die Entscheidungen der Market Maker durch.
Was passiert nach einem plötzlichen Kurssturz?
Wir wissen jetzt, dass Stop-Loss-Orders und unlimitierte Verkaufsorders heftige Kursschwankungen auslösen können. Angenommen, du hast deine Aktien mit Gewinn verkauft. Wie steigst du wieder ein, ohne dich zu verbrennen?
Die Antwort liegt in der zyklischen Natur der Märkte. Auch die kleinen Handelsplätze wie der Pink Open Market folgen im Grundsatz denselben Prinzipien wie die großen Indizes. Sofern keine gezielte Baisse-Attacke läuft, erholt sich der Kurs einer Aktie nach einem orderbedingten Einbruch häufig wieder.
Der Grund ist simpel: Auch die Market Maker verdienen an diesem Zyklus. Haben sie Aktien zu einem sehr niedrigen Kurs eingesammelt, wollen sie ihre Bestände anschließend mit Aufschlag wieder loswerden. Verkauft ein Trader beispielsweise 1.500 Aktien von Unternehmen A für 0,05 US-Dollar das Stück, können die Market Maker sie kurz darauf für 0,08 US-Dollar anbieten: ein schneller, müheloser Gewinn.
Für dich bedeutet das zweierlei. Erstens: Verkaufe Microcaps grundsätzlich mit Limit, niemals unlimitiert, damit du den Market Makern nicht die Steilvorlage für ein Kursmanöver lieferst. Zweitens: Ein plötzlicher Einbruch ist nicht automatisch das Ende einer Aktie, aber er ist auch keine Kaufgarantie. Prüfe immer, ob hinter dem Kursrutsch nur Ordermechanik steckt oder ein echtes Problem des Unternehmens. Im zweiten Teil dieser Serie schauen wir uns genau diese Frage an: Wie erkennst du, ob ein fallender Kurs eine Chance ist oder ein sinkendes Schiff?
Risikohinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Penny Stocks und Microcap-Aktien sind hochspekulativ; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.