Konjunktur verstehen, Teil 3: Trends erkennen und nutzen
Verwirren dich Börsentrends manchmal mehr, als dass sie dir helfen? Damit bist du nicht allein. Eine der schwierigsten Aufgaben für Börseneinsteiger ist es zu verstehen, wie unterschiedliche Trends den Kurs einer Aktie beeinflussen. Gerade wenn du mit Microcap-Aktien handeln willst, solltest du die Mechanik von Trends beherrschen, bevor du nennenswerte Summen investierst.
Zur Einordnung: Ein Trend ist die vorherrschende Richtung, in die sich der Kurs einer Aktie über einen bestimmten Zeitraum bewegt. Wer Trends lesen kann, erkennt die Kräfte, die auf eine Aktie wirken, und kann besser beurteilen, ob sich ein Einstieg lohnt oder nicht. In diesem dritten Teil der Serie schauen wir uns die drei Grundtrends an und klären, in welchen Zeiträumen man sie sinnvoll beobachtet.
Was ist ein bullischer Trend?
Eine Aktie befindet sich in einem bullischen Trend (Aufwärtstrend), wenn die Mehrheit ihrer Hochpunkte über den vorherigen Höchstständen liegt. Jedes neue Hoch übertrifft also tendenziell das vorige.
Ein Aufwärtstrend signalisiert, dass die Nachfrage nach der Aktie zunimmt. Häufig steigt parallel auch das Handelsvolumen.
Wichtig ist dabei eine Einschränkung: Das Handelsvolumen verschiedener Aktien miteinander zu vergleichen bringt wenig, denn die Ausgangslage ist bei jeder Aktie anders. Wenn ein NASDAQ-Unternehmen täglich 25.000 Aktien umsetzt, ist ein Vergleich mit einer Microcap-Aktie, die am selben Tag nur 300 Mal gehandelt wurde, wie der Vergleich von Äpfeln mit Birnen.
Richtig aufmerksam solltest du beim Volumen vor allem dann werden, wenn es sich in kurzer Zeit vervielfacht. Springt eine Aktie, die normalerweise 20.000 Trades pro Tag generiert, plötzlich auf 60.000, passiert dort etwas, und du solltest herausfinden, was. Umgekehrt gilt: Wenn eine Microcap-Aktie, die sonst mindestens 400 Mal am Tag gehandelt wird, plötzlich nur noch 150 Trades bei fallendem Kurs verzeichnet, ist das ein Warnsignal, besonders wenn du diese Aktie selbst im Depot hast.
Was ist ein bärischer Trend?
Eine Aktie folgt einem bärischen Trend (Abwärtstrend), wenn die aufeinanderfolgenden Tiefpunkte jeweils unter den vorherigen Tiefs liegen. Auf einem Chart siehst du eine kontinuierlich fallende Linie vom Beginn des Beobachtungszeitraums an.
Zwischendurch kann der Kurs durchaus einzelne Erholungen zeigen und über frühere Punkte klettern. Entscheidend ist das Gesamtbild: Die übergeordnete Richtung bleibt abwärts, und am Ende des Beobachtungszeitraums notiert die Aktie deutlich unter ihrem Ausgangsniveau. Solche Zwischenerholungen verleiten Anleger gern zu verfrühten Einstiegen. Bevor du in einen fallenden Kurs hineinkaufst, solltest du sehr gute Gründe dafür haben.
Was bedeutet ein Seitwärtstrend?
Bei einem horizontalen oder Seitwärtstrend wechseln sich kleinere Ausbrüche nach oben und unten ab, ohne dass sich eine klare Richtung durchsetzt. Auf dem Chart verlaufen die Punkte grob waagerecht. Perfekt horizontal ist die Linie nie, aber es gibt kein eindeutiges Signal, dass die Aktie bullisch oder bärisch unterwegs wäre.
Viele Trader interpretieren eine ausgeprägte Seitwärtsphase als Vorbereitung: Die Aktie sammelt sich, bevor sie in einen Aufwärts- oder Abwärtstrend übergeht. In welche Richtung es geht, lässt sich vorab allerdings nicht zuverlässig sagen. Als Daytrader solltest du die täglichen Bewegungen deshalb weiter beobachten und abwarten, wohin die Aktie ausbricht, bevor du dich zu einem größeren Kauf verpflichtest.
In welchem Zeitrahmen beobachtet man Trends?
Um Trends sinnvoll zu deuten, musst du die Kursbewegung in einem festgelegten Zeitfenster betrachten. Im Aktienhandel haben sich drei Zeiträume etabliert:
- Kurzfristiger Trend: Ideal für Microcap-Trader, die sofort wissen wollen, wie sich schnelllebige Aktien von Tag zu Tag entwickeln. Dieses Fenster umfasst etwa 30 reguläre Handelstage. Größere Entwicklungen über ein Jahr hinweg wirst du in einem kurzfristigen Chart nicht erkennen.
- Mittelfristiger Trend: Liefert ein deutlich tieferes Bild der Kursentwicklung. Er umfasst rund dreimal so viele Daten wie der kurzfristige Trend und zeigt die Quartalsperformance einer Aktie.
- Langfristiger Trend: Die richtige Wahl für alle, die Unternehmen mit verlässlichen Dividendenzahlungen suchen. Ein langfristiger Chart zeigt die Mini-Trends innerhalb eines Zwölfmonatszeitraums.
Wenn du einen langfristigen Trend studierst, wirst du oft mehrere klar unterscheidbare Teiltrends entdecken. Du kannst einzelne Abschnitte des Gesamttrends miteinander vergleichen, um Ausbruchspunkte und Ausbruchsphasen der Aktie über das Jahr hinweg zu identifizieren.
Das Wichtigste in Kürze
Bullisch heißt steigende Hochs, bärisch heißt fallende Tiefs, seitwärts heißt Richtungssuche. Volumen vergleichst du nur mit der eigenen Historie einer Aktie, nie zwischen verschiedenen Werten. Und der Zeitrahmen deiner Analyse muss zu deinem Anlagestil passen: kurz für schnelles Trading, lang für Dividendenstrategien. Damit ist die Serie “Konjunktur verstehen” abgeschlossen. Wie du Trends mit Trendlinien und Kurskanälen noch präziser auswertest, liest du im Artikel über Trading-Channels.
Risikohinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Penny Stocks und Microcap-Aktien sind hochspekulativ; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.